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Freund und Helfer in Not

April 2015 - Sicherheit geht vor Wirtschaftlichkeit – so lautete das geflügelte Wort des einstigen Verkehrsministers Jürgen Warnke im Zuge der Konsequenzen aus mehreren schweren Unfällen mit Tankfahrzeugen Ende der 80er Jahre, das in weiten Teilen der deutschen Speditionsunternehmen zu unruhigen Nächten führte. Übertreibung macht anschaulich, möchte man zurückblickend meinen, denn was sich seinerzeit binnen kurzer Zeit aus den jämmerlichen "Blechbüchsen" entwickelte, war sowohl sicherheitstechnisch auf höchstem Niveau bei noch akzeptabler Wirtschaftlichkeit. Der eine oder andere Tankspediteur wird ob seiner Marge im Bereich von ein bis drei Prozent (man mag diese Zahlen gar nicht als Ziffern schreiben) jetzt empört protestieren, doch hat diese Situation nichts mit den technischen und fahrpersonellen Anforderungen zu tun – sie gelten für alle gleichermaßen –, sondern mit der Markt- und Wettbewerbssituation.


Dass die Bedingungen für alle Marktteilnehmer gleich sind, ist den Kontrollen von Polizei und BAG zu verdanken. Die üblicherweise als lästig empfundene "Wegelagerei" ist aber de facto ein äußerst wichtiges Regulativ zur Verhinderung der wirtschaftlichen Benachteiligung jener, die sich an die gesetzlichen Regeln halten.


Diese regulative Funktion droht in Deutschland an Bedeutung zu verlieren. Einschneidende Sparmaßnahmen bei vielen Länderpolizeien führen zu weniger und unzureichend ausgebildetem Kontrollpersonal. Weniger Kontrollpräsenz und -kompetenz wird ganz schnell dazu führen, dass es sich für strikt margenorientierte Unternehmer wieder lohnt, die Werkstattintervalle großzügig zu verlängern. Ganz nebenbei wird dann bei den reduzierten Kontrollen der seit drei Tagen abgelaufene Feuerlöscher moniert und dabei übersehen, dass der Tank für den beförderten Stoff gar nicht zugelassen ist – das ist ja auch schwerer zu erkennen.


Lassen wir es im Sinne der Sicherheit und des fairen Wettbewerbs nicht soweit kommen. Jetzt ist die öffentliche Hand gefordert: Sicherheit vor Haushaltskürzung!


gefährliche ladung


Das Magazin für die Gefahrgut-Logistik

ISSN 0016-5808
Erscheinungsweise: 12 x jährlich
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