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Gefährliches Gut im Kabarett

Januar 2010 - Comedy, Satire und Sketche, Parodie, Blödelei und Blackouts − das sind Darbietungen, die mein Herz erfreuen und geeignet sind, Kreislauf und Hirnströme anzuregen. Klassisches politisches Kabarett jedoch − das ist eine Kunstform, die ich wirklich liebe. Geistreiches Querdenken, unzulässige Vergleiche von Tafelobst, das überdeutliche Verschweigen des Unsäglichen, das politisch inkorrekte Kitzeln und Zwicken und Zwacken − letztlich gibt es kein Thema, vor dem ein Kabarettist Halt macht. Außer vor Gefahrgut. Einmal abgesehen von den Standard-Feindbildern "Ölpest" und "Castor" sind mir zu Gefahrgut keinerlei Gags bekannt.

Das hat sich im Dezember geändert. Da folgte ich aufmerksam und gleichermaßen aufgeräumt dem gefühlt achtundzwanzigsten satirischen Jahresrückblick für 2009, diesmal vom mehrfach im Kleinkunstfach zu recht ausgezeichneten Tobias Mann. Wie elektrisiert vernahm ich im Zusammenhang mit der Verabschiebung des ehemaligen Bayerischen Landesvaters zur Europäischen Union und dessen angedrohter Rückkehr in das politische Leben des Freistaats die Worte "Der Stoiber ist doch personelles Gefahrgut. Den haben sie in Brüssel nicht richtig entsorgt." Und dann wurde er doch noch bemüht, der Castor. In einen solchen hätte der gute Edmund gesteckt werden sollen, so der sympathische Mainzer. Erst das wäre "sichere Entsorgung" gewesen.

Was meiner Meinung nach fachlich völlig in Ordnung ist. Wenn eine Gefahrgutumschließung sicher ist, dann ist das ein Castor-Behälter. Sogar unfallsicher. Einziger Wermutstropfen: Das Akronym steht für "cask for storage and transport of radioactive material", Stoiber jedoch ist weder radio noch aktiv. Er hat höchstens Berührungspunkte zu Brennelementen, wenn es "nur noch eines kleinen Sprühens" bedurfte, "sozusagen in die gludernde Lot, in die glodernde Flut, in die lodernde Flut ..." Am schönsten ist doch immer noch die Realsatire.


gefährliche ladung


Das Magazin für die Gefahrgut-Logistik

ISSN 0016-5808
Erscheinungsweise: 12 x jährlich
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