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Keep it short and simple

November 2012 - Jedes Ding hat zwei Seiten, und wo Licht ist, da ist auch Schatten − es ist meist nur eine Frage des eigenen Standpunkts. Insofern bin ich nicht sicher, ob die jüngsten Bestrebungen der Bundesregierung eher im hellen oder dunklen Bereich einzuordnen sind. Hintergrund dieser Betrachtung ist ein neues Website-Angebot des BMVBS zu Leichte Sprache.

Auf Grundlage der 2. Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik (BITV2) sind alle Bundesbehörden bis spätestens 22. März 2014 u.a. dazu verpflichtet, grundlegende Informationen zu ihren Websites in "Leichter Sprache" anzubieten. Leichte Sprache, so der fürsorgende Legislator, sei besonders wichtig für Menschen mit Lernschwierigkeiten bzw. mit geringen sprachlichen Fähigkeiten. Es handele sich dabei um eine besonders einfache sprachliche Ausdrucksweise, deren primäres Ziel die Verständlichkeit sei. Eine Reihe an Regeln, wie beispielsweise lange Sätze aufzuteilen und nur eine Aussage je Satz zu bilden, sollen für diese Verständlichkeit sorgen. Dies sei zwar aus "normalsprachlicher" Sicht nicht immer schön, dafür aber zweckmäßig.


Angesichts des guten Zwecks könnte ich ja glatt verschmerzen, dass gleichfalls auf die Verwendung des Genitivs verzichtet wird − ich meine natürlich von dem Wesfall. Bekanntlich ist der Dativ ohnehin dem Genitiv sein Tod. Und kurze, prägnante Sätze sollten dem Journalisten (s)ein hohes Ziel sein. Das wäre schon gut.


Nun frage ich mich, ob dieses Konzept nicht verdient hätte, konsequent auf alle anderen Lebens- und damit Rechtsbereiche ausgedehnt zu werden, denn häufig genug muss der Bürger nicht zwingend lernbenachteiligt sein, um Vorschriften nicht zu verstehen. Ich denke dabei z.B. an einen Ersatz für Abschnitt 5.2.2: "Klebe roten Zettel mit Flamme auf Paket. Spitzen von Zettel nach ←, ↑, → und ↓. Dann Paket umdrehen und alles nochmal."
Vielleicht eine Produktidee für die Fachverlage? Bevor es uns die Schulbuchverlage vormachen ...


gefährliche ladung


Das Magazin für die Gefahrgut-Logistik

ISSN 0016-5808
Erscheinungsweise: 12 x jährlich
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