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Relative Masse

Mai 2007 - Westeuropa leidet, und ganz besonders Deutschland. Wer die jüngste Endausscheidung (manche Leute sagen, der Begriff sei Programm) zum Eurovision Song Contest verfolgt hat, weiß warum. Konnte man in früheren Jahren noch großzügig darüber hinwegsehen, dass sich die Skandinavier gegenseitig hohe Punktzahlen gaben, so ist gegen die Übermacht von rund 20 sich gegenseitig unterstützenden Staaten aus dem einstigen Ostblock nichts mehr auszurichten. Das ist schon seltsam: Erst spalten sie sich auf Teufel komm raus vom Mutterland ab, um danach enger zusammenzustehen als je zuvor. Gemeinsame kulturelle, geschichtliche und politische Wurzeln lassen sich wohl nicht so einfach zerteilen.


Eine Situation übrigens, mit der die USA schon seit längerem zu kämpfen haben. Nicht bei La-La-Wettbewerben, sondern in Bla-Bla-Konferenzen. Da haben sie es nicht mit einer Europäischen Union zu tun, sondern mit 27 Einzelstaaten. Bei UN-ECE mit 56 europäischen Mitgliedstaaten, bei der IMO mit weltweit 167 Staaten. Und noch gar nicht eingerechnet sind die über 100 Nicht-Regierungsorganisationen, die nach Kräften Lobbyarbeit betreiben. Obwohl selbst aus 50 Staaten bestehend, deren jeweilige Fläche und Einwohnerzahl einen Großteil europäischer Staaten locker ausstechen, verfügen sie international nur über eine Stimme! Da ist es aussichtslos, eigene Regelungswünsche durchsetzen zu wollen.


In einem Punkt jedoch haben die USA pures Glück: Die Staaten des Old Europe sind sich meistens uneins. Aus Prinzip, aus Gründen des Protektionismus oder um die Signifikanz der eigenen Ansicht zu demonstrieren. Hier schließt sich der Kreis zum Song Contest: Keinen interessieren die Inhalte, abgestimmt wird nur über die massenkompatible Darstellung. Vielleicht geht UN-ECE bald auch zum Televoting über ...


gefährliche ladung


Das Magazin für die Gefahrgut-Logistik

ISSN 0016-5808
Erscheinungsweise: 12 x jährlich
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